Interview: Bernd Rümmelein (29.04.2009)

Mittwoch, 29. April 2009

Interview mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis-Gewinner Bernd Rümmelein

hohlbeinfans.de: Bernd, erst einmal gratulieren wir herzlich zum ersten Platz beim Wolfgang Hohlbein-Preis.  Was für ein Gefühl ist es, wenn nicht nur das eigene Buch verlegt wird, sondern auch noch in dieser Art und Weise mit einem so hoch dotierten Preis?

Bernd Rümmelein: Vielen Dank Euch allen. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit gerne nutzen alle Hohlbein Fans, Wolfgang Hohlbein und das Team von Ueberreuter ganz herzlich zu grüßen, mich für das große Interesse, das Vertrauen in meine Arbeit und für den Preis nochmals zu bedanken. Das Gefühl eines auf diese Weise ausgezeichneten „Einstiegs“ als Schriftsteller lässt sich schwer beschreiben. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht glauben. Dann jedoch wurde es langsam zur Realität. So richtig begriffen habe ich das Ganze aber erst, als mir der Preis dann auf der Leipziger Buchmesse tatsächlich verliehen wurde. Ich bin sehr glücklich über die bevorstehende Veröffentlichung in einem großen Publikumsverlag wie Ueberreuter, der stets für sehr hohe Qualität steht und in vielen Bereichen als Trendsetter im Markt gilt. Ich schätze die Zusammenarbeit in allen Ebenen des Verlages sehr und fühle mich dort rundum wohl. Das hat irgendwie etwas Familiäres. Toll finde ich in diesem Zusammenhang auch die Einführung des neuen Labels Otherworld by Ueberreuter. Ein starkes Fantasy-Label wie ich finde. Besser hätte es für mich gar nicht laufen können. Als „neuer“ und unveröffentlichter Autor ausgerechnet mit diesem Preis ausgezeichnet zu werden, ist ein echter Glücksfall. Jedenfalls fühlt sich die Auszeichnung meines Romans „Kryson“ mit dem Wolfgang Hohlbein-Preis besser als ein Sechser im Lotto an. Ein hartes Stück Arbeit und ein langer Weg bis zu der Auszeichnung wurde auf diese Weise belohnt. Das ist einfach toll.

hohlbeinfans.de: Die Klassikerfrage gleich zu Beginn: Wie kamst du zum Schreiben?

Bernd Rümmelein: Stimmt, das ist tatsächlich die Klassikerfrage, die aber in meinen Augen gar nicht so leicht zu beantworten ist. Die Wurzeln reichen bis weit zurück in die Schulzeit. Ich habe schon immer viel und gerne gelesen. Sprache und Worte faszinierten mich von jeher. Das Entscheidende aber war, dass ich wohl eine sehr blühende Fantasie hatte und mir schon früh Geschichten ausgedacht und diese auch erzählt habe. Meine Kindheitsträume waren intensiv und sehr visuell geprägt. An viele davon konnte ich mich am nächsten Tag oder sogar Wochen danach noch erinnern. Mit dreizehn Jahren begann ich damit, die ersten Geschichten in Din-A 5 Hefte aufzuschreiben. Sie machten unter der Schulbank bei den Klassenkameraden die Runde. Jeder fand eine Rolle darin. Das war wahrscheinlich das Geheimnis des Erfolges, denn diese doch sehr reißerischen Geschichten kamen tatsächlich gut an. Unser damaliger Deutschlehrer kam irgendwann dahinter und machte sie für eine zeitlang offiziell zum Unterrichtsstoff. Heute glaube ich, dass das ein sehr cleverer Schachzug von ihm war, die „Störung“ langfristig zu unterbinden. Danach war Ruhe. Aber für mich hatte das etwas Besonderes und es war die Initialzündung am Schreiben dran zu bleiben.

hohlbeinfans.de: Gibt es für dich Vorbilder in der Literatur?

Bernd Rümmelein: Nicht wirklich, was bedeuten soll, dass ich keinem Autor nacheifere. Jeder Autor will letzten Endes eigenständig sein und als solcher mit seinem eigenen Stil und seinen Geschichten wahrgenommen werden. Aber natürlich gibt es Bücher, die mich fasziniert haben und die ich wirklich gut fand. Mit Sicherheit kann ich solche Einflüsse nicht ausschließen, denn letzten Endes schreibe ich das, was mir gefällt und auch selbst kaufen würde.

hohlbeinfans.de: Was liest du selbst eigentlich gerne?

Bernd Rümmelein: Fantasy lese ich wirklich seit meiner Jugend sehr gerne. Aber natürlich will ich mich darauf nicht alleine festlegen, wobei ich gestehen muss, dass mich ein Buch in erster Linie unterhalten muss und für gewöhnlich schon auf den ersten fünfzig Seiten überzeugen muss, um es bis zum Ende zu lesen und gut zu finden. Das kann also durchaus auch mal ein düsterer Thriller sein oder etwa ein humorvoller Roman. Bis heute ist mein Lieblingsbuch „Der Erwählte“  von Thomas Mann. Früher habe ich neben dem bereits erwähnten Roman sehr viel von Max Frisch und Hermann Hesse gelesen. Im Bereich der Fantasy ist die Liste der gelesenen Autorinnen und Autoren lang. Aber wirklich gefesselt haben mich Michael Moorcock, Gene Wolfe, Karl Edward Wagner und Stephen R. Donaldson. Von den „jüngeren“ – bitte nicht nach dem Alter gehen – Autoren müssen auf jeden Fall George R. R. Martin und Tad Williams genannt werden. Das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe, war „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss.

hohlbeinfans.de: Wie kamst du auf die Idee beim Wolfgang Hohlbein-Preis mitzumachen?

Bernd Rümmelein: Das ist im nachhinein eigenartig. Eigentlich hatte ich gar nicht daran gedacht, meine Geschichten zu veröffentlichen. Aber irgendwann hat es mich dann doch gepackt. Nur für die Schublade zu schreiben, fand ich langweilig. Ich wollte wissen, ob meine Geschichten auch noch anderen gefielen und beteiligte mich zunächst an zwei Ausschreibungen für Kurzgeschichten, bei denen ich prompt Erfolg hatte. Das bestärkte mich oder wie man so schön sagt: Ich hatte das erste Blut geleckt. Das Manuskript zu „Kryson“ hatte ich dann erst einem kleineren Verlag angeboten, der gerade eine neue Fantasyschiene aufbauen wollte. Damals wusste ich nicht, dass daraus nie etwas werden würde. Der Verlag hatte großes Interesse gezeigt und wollte gleich die ganze Serie veröffentlichen. Von daher war die Ausschreibung für mich zunächst gar kein Thema. Aus finanziellen Gründen mussten sie aber das ganze Projekt zurückziehen, so dass es nie zu der Veröffentlichung kam. Dabei hatten sie tatsächlich schon Einiges in Leseproben aus dem Prolog und Kapitel eins sowie in Poster und Kataloge investiert. Das war für mich – wahrscheinlich auch für den Verlag – frustrierend, gab aber letzten Endes den Ausschlag, das Manuskript sozusagen auf den letzten Drücker im März 2007 an Ueberreuter als Wettbewerbsbeitrag zu schicken. Ich wusste nicht recht, was ich in dieser Situation sonst mit dem Manuskript hätte machen sollen? Die Ausschreibung lief noch, aber ich hatte Angst, das Manuskript könnte durch die Aktion „verbrannt“ sein. Aufgeben wollte ich nicht, weil doch viel Herzblut in der Arbeit steckte. Ein paar Jahre zuvor hatte ich das Preisträgerbuch von Nina Blazon „Im Bann des Fluchträgers“ gelesen und erinnerte mich daran, dass ich dieses Buch richtig gut gefunden hatte. Irgendwie verband ich den Preis und Ueberreuter dennoch immer mit Jugendfantasy, weshalb ich mir anfangs dachte, dass „Kryson“ dazu so gar nicht passe. Je länger ich aber darüber nachdachte, gefiel mir die Idee immer besser. Eine solche Ausschreibung ist eine große Chance für einen unveröffentlichten Autoren, die es nicht allzu oft gibt. Trotz aller Bedenken traute ich mich schließlich und schickte das Manuskript ab. Nirgends stand geschrieben, dass Ueberreuter nur Jugendfantasy verlegen wollte und der Preis nur an Manuskripte vergeben würde, die genau dieser Vorstellung entsprechen. Und dann dachte ich mir, warum eigentlich nicht. Verlieren konnte ich nichts und war von der Qualität meiner Arbeit überzeugt. Würde es nicht zum aktuellen Programm passen aber dennoch gefallen, könnten sich durch die Einsendung immerhin weitere Möglichkeiten ergeben.

hohlbeinfans.de: Wie hast du eigentlich erfahren, dass du der Sieger bist?

Bernd Rümmelein: Schon etwa drei Monate nach Ende der Einsendefrist erfuhr ich während eines Treffens mit dem Verleger, dass ich zu den Favoriten als Sieger zählte, sozusagen zu den letzten Fünf aus mehr als neunhundert Einsendungen. Danach dauerte es dann aber noch über ein Jahr, bis die Jury ihre Entscheidung endgültig getroffen hatte und ich als Gewinner der Ausschreibung fest stand. Der Verleger rief mich an und teilte mir die Entscheidung der Jury mit.

hohlbeinfans.de: Erzähl uns ein wenig von deinem Roman „Kryson“. Worum geht es denn eigentlich?

Bernd Rümmelein: In wenigen Worten ist das gar nicht so einfach, denn „Kryson“ ist eine sehr komplexe und vielschichtige Welt. Die Gegensätze, die untrennbar miteinander verbunden sind, sich unerbittlich bekämpfen und doch gegenseitig bedingen. Der fortwährende Kampf des Gleichgewichts um die Vorherrschaft, die es nicht geben kann. Im ersten Band geht es um Krieg und die schrecklichen Folgen. Einen fatalen und schonungslosen Krieg zweier Völker, die sich bis aufs Blut hassen. Der Krieg zeigt seine hässliche Fratze in vielen Facetten. Das wird gewiss eindringlich dargestellt und gipfelt schließlich in einer verheerenden Entscheidungsschlacht. Die Figuren sind in diesem Teil als  unerbittliche Gegner noch stark voneinander abgegrenzt und eindeutig typisiert, um dem Leser den Einstieg zu erleichtern und richtig in die Welt eintauchen zu können. Das wird sich in späteren Bänden verwischen. Alle Beteiligten bereiten sich auf etwas Entscheidendes vor und treffen sich am Ende des ersten Bandes in der Schlacht wieder. Das Buch arbeitet kontinuierlich auf diese Entscheidungsschlacht an den Flussufern des Rayhin hin. Eine fulminante, blutige und furchtbare Schlacht, die es in dieser Form so noch nicht gegeben hat. Ich habe versucht, sie sehr stark in Worten zu visualisieren. Egal wer am Ende gewinnt. Der Sieg muss teuer erkauft werden, wenn dieser denn überhaupt so bezeichnet werden kann. Aber das sind die Bilder, die erst einmal vordergründig dastehen. Dahinter gibt es in der Tiefe mehr zu entdecken. Es ging mir vielmehr um die Charaktere und ich wollte ihre jeweiligen Gefühlsebenen, ihre innere Zerrissenheit und Konflikte darstellen. Dafür werden sie in eine brutale, kompromisslose Welt geworfen und vor Entscheidungen gestellt, die sie schwer akzeptieren können. Dennoch hoffen sie, leben weiter und müssen dafür leiden und verzweifeln. Sie lieben und hassen. Sie werden bis an ihre Grenzen gebracht, ausgereizt, verändern sich und entwickeln sich weiter. „Kryson“ ist ein hartes Buch. Vielleicht wird mancher Leser an der ein oder anderen Stelle durchatmen müssen. Das Buch fühlt sich für mich selbst wuchtig, an manchen Stellen brutal an. In meinen Augen muss und wird es den Leser emotional bewegen. Entweder in die eine oder in die andere Richtung. Die Bilder, die es auslöst, bleiben meiner Meinung nach im Kopf hängen und wirken wahrscheinlich lange nach. Nun ja, das sagen jedenfalls einige Testleser.

hohlbeinfans.de: „Kryson“ ist ja dein erster großer Roman. Ging die Arbeit recht flüssig von der Hand oder gab es Momente, wo du nicht mehr weiter wusstest oder gar unter einer Schreibblockade gelitten hast?

Bernd Rümmelein: Während des Schreibens der „Schlacht am Rayhin“ wusste ich sehr genau was ich wollte und wo es hingehen sollte. Das Szenario mit den Vorbereitungen, der Schlacht selbst sowie der Konzentration auf einige Charaktere machte mir den Prozess einfacher. Von daher lief die Schreibarbeit tatsächlich sehr gut. Natürlich ist es an der ein oder anderen Stelle schwieriger. Es gibt Passagen, die dann einfach länger dauern und die viel Arbeit bedeuten. Andere wiederum laufen wie von selbst. Eine Schreibblockade hatte ich nicht. Das ist mir zum Glück bislang erspart geblieben. Wenn ich mal aussetzen musste, dann aus beruflichen Gründen, wenn die Belastung sehr hoch war. Die Herausforderung nach längeren Schreibpausen besteht dann darin, sich möglichst schnell und eingehend wieder mit der Welt von „Kryson“ und den Charakteren zu beschäftigen, um wieder eintauchen und weiterschreiben zu können. Das mache ich in aller Regel dadurch, dass ich mir die zuvor geschriebenen Kapitel noch einmal durchlese und dabei gleichzeitig korrigiere.

hohlbeinfans.de: Bist du ein täglicher Schreiber, der sich ein Pensum vornimmt oder schreibst du nach Lust und Laune?

Bernd Rümmelein: Lust und Laune war einmal ;-) Ich glaube, die Zeiten sind inzwischen vorbei, insbesondere wenn es Abgabetermine einzuhalten gilt. Da kann ich dann auch nicht mehr an jedem Projekt teilnehmen, das mich gerade interessiert und muss so manche Anfrage ablehnen. Leider. Aber ich bemühe mich, täglich zwei bis drei Stunden am Stück zu schreiben. Das gelingt mir je nach Tagesform und beruflicher Auslastung nicht immer. Aber wie schon gesagt, ich muss schon kontinuierlich dranbleiben, um flüssig weiterschreiben zu können. Zum Glück kann ich schnell und daher in der kurzen Zeit viel schreiben. Das erleichtert die Arbeit ungemein.

hohlbeinfans.de: Wirst du im September, wenn der Roman in die Buchläden kommt, einen kleinen Rundgang durch die Geschäfte unternehmen oder zelebrierst du den Tag nicht so?

Bernd Rümmelein: Doch! Ich gehe unheimlich gerne shoppen. Wahrscheinlich bin ich da als Mann eine echte Ausnahme, aber es macht mir wirklich Spaß. Und natürlich gehören für mich die Buchgeschäfte – neben Ladengeschäften mit DVD – Kinofilmen – ohnehin zu den bevorzugten Anlaufstellen beim Einkaufen.  Klar werde ich mich umschauen und mir die Präsentation des Buches anschauen. Wahrscheinlich werde ich sogar die Bücher zählen, die sie jeweils ausliegen haben und mich dann wie ein kleines Kind im Spielzeuggeschäft freuen, wenn ich zwischen all den anderen Neuerscheinungen tatsächlich eines meiner Bücher finde. Und ich kann Euch garantieren, dass ich mir dann selbst sofort eines davon im Buchladen kaufen werde, obwohl ich ja Belegexemplare bekomme. Aber diesen „Lustkauf“ habe ich mir fest vorgenommen.

hohlbeinfans.de: Der Roman erscheint im „All-Age“-Label Otherworld bei Ueberreuter. Das ist nicht sehr aussagekräftig. Wenn du rein persönlich den Roman vorstellen müsstest, was würdest du sagen: eher etwas für Jugendliche oder doch mehr Erwachsenenliteratur?

Bernd Rümmelein: Stimmt. Ich war auch erst etwas verwirrt, als ich bei der Bekanntgabe der Neueinführung des Labels „All-Age“ gelesen hatte, weil es in meinen Augen letztlich jede Altersgruppe von drei bis neunundneunzig umfasst. Für mich persönlich steht das Label für „die Fantasy bei Ueberreuter wird erwachsen“, denn für die Jugendfantasy haben sie ja bereits sehr starke, gut eingeführte Label und könnten auch ihre bisherigen weiter verwenden. Aber damit habe ich mich gar nicht groß beschäftigt. Der Verlag weiß sicher mehr darüber zu berichten. Was „Kryson“ angeht, so würde ich den Titel eher der Erwachsenenliteratur zuordnen. Für Kinder und Jugendliche könnte das Buch in Teilen zu hart und mithin zu düster sein. Das kommt aber auf die persönliche Entwicklung des jeweiligen Jugendlichen an. Ich denke schon, dass Sechzehnjährige „Kryson“  gut und ohne Probleme lesen können. Aber da will ich mich jetzt nicht festlegen. Nicht dass mir nachher jemand vorwirft, ich hätte sein Kind durch mein Buch verdorben. Das wäre furchtbar! Vielleicht kommen schon Vierzehnjährige mit einigen Szenen und der Komplexität des Buches und ihren Charakteren klar. Prima, dann können und sollen sie es natürlich durchaus lesen. Für jüngere Altersgruppen würde ich es aber nicht empfehlen.

hohlbeinfans.de: Einige unserer Leser behaupten, dass „Kryson“ nicht nur eine Fortsetzung erhalten soll, sondern eine Reihe von bis zu sechs Bänden werden soll. Kannst du dies bestätigen?

Bernd Rümmelein: Wartet auf den Herbst. Da wird es wirklich spannend. Bestätigen kann ich, dass „Kryson“ auf mehrere Bände – ja, es sind tatsächlich sechs – konzipiert ist. Drei davon sind bereits fertig geschrieben. Am vierten Band bin ich aktuell dran.

hohlbeinfans.de: Auf welchen Lesungen oder Signierstunden kann man dich in diesem Jahr noch antreffen?

Bernd Rümmelein: Am 08. Mai in Stuttgart am Hauptbahnhof. Ganz bestimmt auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Alles andere ist derzeit noch offen.

hohlbeinfans.de: Hast du bereits ein neues Projekt oder konzentrierst du dich erstmal voll und ganz auf „Kryson“?

Bernd Rümmelein: Zunächst muss ich mich weiter auf „Kryson“ konzentrieren. Wir wollen keine ewigen Wartezeiten zwischen dem Erscheinen der einzelnen Bände produzieren, wie das bei einigen anderen Serien der Fall ist. Das ist für viele Fans unbefriedigend. Ich kenne das von mir selbst, wenn man ungeduldig auf eine Fortsetzung wartet, die dann zwar bald angekündigt, aber immer wieder verschoben wird. Kommt sie dann endlich, muss man sich erst einmal wieder komplett in die Geschichte und die Welt reindenken. Bei komplexeren Büchern hat man dann schnell mal den Faden verloren oder wichtige Nebenschauplätze schlicht vergessen. Dann kann man wieder von vorne beginnen. George R. R. Martin stellte und stellt seine Fans mit der Fortsetzung zu „Das Lied von Eis und Feuer“ in dieser Hinsicht auf eine harte Probe. Bei Patrick Rothfuss sieht es derzeit ebenfalls nach einer langen Wartezeit für den zweiten Teil der Chroniken um seinen Helden „Kvothe“ aus, dabei hätte ich diese Reihe sofort weitergelesen. Das Warten auf die Fortsetzung wollen der Verlag und ich für „Kryson“ gerne vermeiden, soweit das eben machbar ist. Obwohl ich versucht habe, die Bände jeweils einzeln abzuschließen und möglichst keine oder nur sehr wenige Cliffhanger in den Büchern unaufgelöst zu lassen, ist es letztlich für den inneren Zusammenhang der Geschichte wichtig, diese in chronologischer Reihenfolge zu lesen und da sind längere Pausen dazwischen meist nicht so schön für den Leser. Bei den ersten drei Bänden wird das also kein Problem sein. Ich muss mich aber bei den Bänden vier bis sechs richtig ranhalten, sonst geht es mir genauso wie den bereits erwähnten Autoren ;-) ).
Was nach „Kryson“ kommt, werden wir abwarten müssen. Ideen gibt es Viele. Ein Vampirroman wartet auf seine Fertigstellung. Weitere Fantasygeschichten sind in Planung. Für Zwischendurch wird es immer wieder mal die ein oder andere Kurzgeschichte und Hörbücher geben. Jedenfalls wird mir und den Lesern bzw. Hörern bei dem Programm nicht langweilig werden ;-) . Ich freue mich auf die kommenden Projekte.

hohlbeinfans.de: Bernd, vielen Dank für die Zeit und die Beantwortung der Fragen!

Bernd Rümmelein: Gerne und viel Spaß und Spannung Euch allen mit „Kryson“!

Dieses Interview führte David Richter für hohlbeinfans.de. Alle Rechte vorbehalten.

Interview: Michael Vogt (22.11.2008)

Samstag, 22. November 2008

Interview: Michael Vogt

hohlbeinfans.de: Michael, stell dich doch einmal kurz vor. Wer ist und was macht Michael Vogt?

Michael Vogt: Ich bin Comiczeichner und -autor. Comics zeichne ich, seit ich denken kann. Die ersten Veröffentlichungen hatte ich Ende der achtziger Jahre unter anderem bei den “Gespenster Geschichten” vom Bastei-Verlag. Ausserdem arbeite ich noch als Illustrator und Grafiker.

hohlbeinfans.de: Hat man als „Szenarist“ nicht die Sorge, dass die Arbeit vielleicht weniger wahrgenommen wird, weil die Leser nur „ Wolfgang Hohlbein“ im Kopf haben?

Michael Vogt: Die Idee, Geschichte und die Charaktere werden ja auch vom Autoren geschaffen – als Szenarist interpretiere ich dessen Werk natürlich “nur” und bin dafür zuständig, es in das neue Medium zu transferieren. Ich habe mir, ehrlich gesagt, keinen Kopf darum gemacht, ob meine Rolle von den Lesern genügend wahrgenommen wird. Oder andersrum: Hätte ich schlechte Arbeit gemacht, wäre mein Anteil wahrscheinlich stärker aufgefallen. ;)

hohlbeinfans.de: Du hast den Roman „Das Blut der Templer“ adaptiert und das Szenario geschrieben. Wie kam es eigentlich zu diesem Auftrag?

Michael Vogt: Ehapa suchte ein Team für die Adaption. Da ich vorher schon bei der Produktion der Kai Meyer-Adaption “Die Wellenläufer” involviert war, hatte ich bereits Kontakt zum Verlag und einen Draht zum zuständigen Redakteur. Zusammen mit Simon Eckert habe ich mich dann um den Auftrag beworben. Wir haben ein paar Probeseiten und Charakterskizzen eingereicht. Offensichtlich waren die überzeugend genug und so hat man sich für uns entschieden.

hohlbeinfans.de: Erläutere uns dein Schaffen. Was bedeutet es genau ein Szenario zu schreiben und welche Schwierigkeiten können auftreten?

Michael Vogt: Grundsätzlich legt ein Szenario die Abfolge der Handlung einer Geschichte fest. Ich fasse den Begriff aber etwas weiter, da ich für “Das Blut der Templer” ein Storyboard/Drehbuch verfasst habe, was über den geläufigen Terminus “Szenario” deutlich hinausgeht.
Herausforderung ist dabei natürlich, soviel wie möglich vom Buch, Inhalt, Aussage und “Charme”, in ein anderes Medium zu transportieren, in dem grundsätzlich anders erzählt wird. So hat man zum Beispiel im Buch immer die Möglichkeit, Einblick in die Gedanken der Hauptcharaktere zu erhalten. Im Comic gibt es dafür “Gedankenblasen”, die ähnlich wie Sprechblasen funktionieren, aber eben innere Monologe beinhalten. Dies wirkt allerdings schnell textlastig und überladen. Dafür kann man die Emotionen der Figuren anders zeigen: Enttäuschung, Wut, Angst usw. spiegeln sich direkt in den gezeichneten Gesichtern wieder, vieles wird durch Dialoge erklärt.
Es gibt Beschreibungen, die im Buch über mehrere Seiten gehen, im Comic dann aber in ein Bild (Panel) passen und umgekehrt kann ein kurze Handlung – im Buch ein oder zwei Sätze – erst mit mehreren Bildern umgesetzt werden. Das und einiges mehr gilt es zu beachten, sonst hat man schnell ein illustriertes Buch anstelle eines guten Comics.

hohlbeinfans.de: Als Vorlage diente der Roman – war das Drehbuch auch im Gespräch? Und mit welcher Basis arbeitet es sich besser?

Michael Vogt: Das Drehbuch war nie im Gespräch. Ich habe zwar den Film auf DVD vom Verlag erhalten, angesehen habe ich mir den aber auch erst, nach dem ich das Szenario fertig hatte. Ich wollte meine eigene Fassung der Figuren schaffen – so, wie ich sie mir beim Lesen vorgestellt hatte. So sind zum Film einige Unterschiede entstanden, beispielsweise beim Charakter “Ares”. Im Film ist er sehr “gothic” und spielt auf einige Figuren aus dem Film “Highlander” an. Im Comic kleidet sich Ares immer sehr elegant, trägt teure italienische Schuhe, feine Anzüge und wirkt sehr gepflegt. Meine Idee war, dass jemand, der so lange lebt wie Ares, einen Geschmack für die feinen Dinge entwickelt. Und natürlich bildet das auch einen spannenden Kontrast zu seinem sehr grobschlächtigem Gehabe und seiner ausgesuchten Brutalität. So erhält der Charakter etwas mehr Dimension.

hohlbeinfans.de: Wie lange hat es gedauert das Szenario zu schreiben?

Michael Vogt: Schwierig zu sagen, da ich das nicht am Stück gemacht habe. Zudem habe ich mit dem Szenario auch gleich das Seitenlayout skizziert, also eine Art Storyboard mit den Sprechblasentexten gefertigt. Das diente dann zur Abstimmung mit dem Verlag und war auch die Vorlage für die Zeichnungen von Simon Eckert. Der Prozess hat sich aber insgesamt über etwa 2, 3 Monate erstreckt. Und natürlich wird so etwas nie ganz fertig – ich habe noch bis kurz vor dem Druck an den Dialogen gearbeitet.

hohlbeinfans.de: Wie gestaltete sich die Arbeit mit dem Zeichner Simon Eckert?

Michael Vogt: Die Zusammenarbeit lief wunderbar. Simon ist ein Zeichner, bei dem sich großes Talent und Disziplin vereinen. Er hat einen guten Sinn für Dynamik und einen eleganten, sehr effektiven Strich. Wir haben uns etwa einmal pro Woche getroffen, die neuesten, fertig gezeichneten Seiten durchgeschaut und dann über die nächsten Seiten gesprochen. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

hohlbeinfans.de: War Wolfgang Hohlbein selbst in den Arbeitsprozess integriert – eventuelle Absprachen etc.?

Michael Vogt: Wolfgang Hohlbein hat die Arbeiten natürlich von Anfang an begutachtet. Es gab aber nie irgendwelche Einwände von seiner Seite. Der Kontakt zu ihm lief allerdings über den Verlag und seinen Agenten, ich hatte nicht direkt mit ihm zu tun.

hohlbeinfans.de: Wird es einen weiteren „Templer“-Comic geben, der beispielsweise die Vorgeschichte behandelt und somit eine Adaption des zweiten Romans wäre?

Michael Vogt: Eine weitere Adaption ist zur Zeit nicht geplant. Mich würde ja eine Fortsetzung viel mehr reizen: Was wird aus David und Stella? Gibt es irgendwo noch überlebende Clan-Mitglieder? Ist das Geheimnis jetzt wirklich sicher? Ich hätte da schon ein paar Ideen, wie man die Geschichte weiterspinnen könnte.

hohlbeinfans.de: Bekommst du direktes Feedback durch Leser? Wenn ja, wie waren die ersten Meinungen zu „Blut der Templer“?

Michael Vogt: Nein, direktes Feedback habe ich nicht bekommen – ich habe ein paar Rezensionen bei Amazon und auf verschiedenen Websites gelesen. Die Meinungen reichten von “sehr gelungen” bis “eher mittelmäßig”. Ich hätte, glaube ich, eher Angst bekommen, wenn plötzlich alle den Band bejubelt hätten – niemand ist so gut, dass man nicht etwas verbessern könnte, ich erst recht nicht. Und natürlich sind jedem Leser andere Aspekte wichtig, jeder liest nach seinem Gusto. Wenn wir es geschafft haben, dass die meisten Leser zufrieden sind, bin ich schon glücklich.

hohlbeinfans.de: An welchem Projekt arbeitest du zur Zeit?

Michael Vogt: Momentan arbeite ich an einem Kurzcomic für “Perry Rhodan”, der nächstes Jahr erscheinen wird. Mehrere andere Geschichten sind in Planung, unter anderem ein Album, das in Mexiko spielt – immerhin die ersten fünf Seiten sind schon fast fertig.

hohlbeinfans.de: Können Leser dich in naher Zukunft auf Messen/Signierstunden treffen?

Michael Vogt: Ganz aktuell bin ich auf der ComicAction in Essen vom 24. bis zum 26.10. und signiere mein neuestes Album “Schalke – Helden von ganz unten”. Aber natürlich ist auch jeder willkommen, der ein “Blut der Templer”-Exemplar mit Autogramm haben möchte.

hohlbeinfans.de: Michael Vogt, wir danken für dieses Interview!

Michael Vogt: War mir ein Vergnügen!

Dieses Interview führte David Richter für hohlbeinfans.de. Alle Rechte vorbehalten.