Interview: Michael Vogt (22.11.2008)

Interview: Michael Vogt
hohlbeinfans.de: Michael, stell dich doch einmal kurz vor. Wer ist und was macht Michael Vogt?
Michael Vogt: Ich bin Comiczeichner und -autor. Comics zeichne ich, seit ich denken kann. Die ersten Veröffentlichungen hatte ich Ende der achtziger Jahre unter anderem bei den “Gespenster Geschichten” vom Bastei-Verlag. Ausserdem arbeite ich noch als Illustrator und Grafiker.
hohlbeinfans.de: Hat man als „Szenarist“ nicht die Sorge, dass die Arbeit vielleicht weniger wahrgenommen wird, weil die Leser nur „ Wolfgang Hohlbein“ im Kopf haben?
Michael Vogt: Die Idee, Geschichte und die Charaktere werden ja auch vom Autoren geschaffen – als Szenarist interpretiere ich dessen Werk natürlich “nur” und bin dafür zuständig, es in das neue Medium zu transferieren. Ich habe mir, ehrlich gesagt, keinen Kopf darum gemacht, ob meine Rolle von den Lesern genügend wahrgenommen wird. Oder andersrum: Hätte ich schlechte Arbeit gemacht, wäre mein Anteil wahrscheinlich stärker aufgefallen.
hohlbeinfans.de: Du hast den Roman „Das Blut der Templer“ adaptiert und das Szenario geschrieben. Wie kam es eigentlich zu diesem Auftrag?
Michael Vogt: Ehapa suchte ein Team für die Adaption. Da ich vorher schon bei der Produktion der Kai Meyer-Adaption “Die Wellenläufer” involviert war, hatte ich bereits Kontakt zum Verlag und einen Draht zum zuständigen Redakteur. Zusammen mit Simon Eckert habe ich mich dann um den Auftrag beworben. Wir haben ein paar Probeseiten und Charakterskizzen eingereicht. Offensichtlich waren die überzeugend genug und so hat man sich für uns entschieden.
hohlbeinfans.de: Erläutere uns dein Schaffen. Was bedeutet es genau ein Szenario zu schreiben und welche Schwierigkeiten können auftreten?
Michael Vogt: Grundsätzlich legt ein Szenario die Abfolge der Handlung einer Geschichte fest. Ich fasse den Begriff aber etwas weiter, da ich für “Das Blut der Templer” ein Storyboard/Drehbuch verfasst habe, was über den geläufigen Terminus “Szenario” deutlich hinausgeht.
Herausforderung ist dabei natürlich, soviel wie möglich vom Buch, Inhalt, Aussage und “Charme”, in ein anderes Medium zu transportieren, in dem grundsätzlich anders erzählt wird. So hat man zum Beispiel im Buch immer die Möglichkeit, Einblick in die Gedanken der Hauptcharaktere zu erhalten. Im Comic gibt es dafür “Gedankenblasen”, die ähnlich wie Sprechblasen funktionieren, aber eben innere Monologe beinhalten. Dies wirkt allerdings schnell textlastig und überladen. Dafür kann man die Emotionen der Figuren anders zeigen: Enttäuschung, Wut, Angst usw. spiegeln sich direkt in den gezeichneten Gesichtern wieder, vieles wird durch Dialoge erklärt.
Es gibt Beschreibungen, die im Buch über mehrere Seiten gehen, im Comic dann aber in ein Bild (Panel) passen und umgekehrt kann ein kurze Handlung – im Buch ein oder zwei Sätze – erst mit mehreren Bildern umgesetzt werden. Das und einiges mehr gilt es zu beachten, sonst hat man schnell ein illustriertes Buch anstelle eines guten Comics.
hohlbeinfans.de: Als Vorlage diente der Roman – war das Drehbuch auch im Gespräch? Und mit welcher Basis arbeitet es sich besser?

Michael Vogt: Das Drehbuch war nie im Gespräch. Ich habe zwar den Film auf DVD vom Verlag erhalten, angesehen habe ich mir den aber auch erst, nach dem ich das Szenario fertig hatte. Ich wollte meine eigene Fassung der Figuren schaffen – so, wie ich sie mir beim Lesen vorgestellt hatte. So sind zum Film einige Unterschiede entstanden, beispielsweise beim Charakter “Ares”. Im Film ist er sehr “gothic” und spielt auf einige Figuren aus dem Film “Highlander” an. Im Comic kleidet sich Ares immer sehr elegant, trägt teure italienische Schuhe, feine Anzüge und wirkt sehr gepflegt. Meine Idee war, dass jemand, der so lange lebt wie Ares, einen Geschmack für die feinen Dinge entwickelt. Und natürlich bildet das auch einen spannenden Kontrast zu seinem sehr grobschlächtigem Gehabe und seiner ausgesuchten Brutalität. So erhält der Charakter etwas mehr Dimension.
hohlbeinfans.de: Wie lange hat es gedauert das Szenario zu schreiben?
Michael Vogt: Schwierig zu sagen, da ich das nicht am Stück gemacht habe. Zudem habe ich mit dem Szenario auch gleich das Seitenlayout skizziert, also eine Art Storyboard mit den Sprechblasentexten gefertigt. Das diente dann zur Abstimmung mit dem Verlag und war auch die Vorlage für die Zeichnungen von Simon Eckert. Der Prozess hat sich aber insgesamt über etwa 2, 3 Monate erstreckt. Und natürlich wird so etwas nie ganz fertig – ich habe noch bis kurz vor dem Druck an den Dialogen gearbeitet.
hohlbeinfans.de: Wie gestaltete sich die Arbeit mit dem Zeichner Simon Eckert?
Michael Vogt: Die Zusammenarbeit lief wunderbar. Simon ist ein Zeichner, bei dem sich großes Talent und Disziplin vereinen. Er hat einen guten Sinn für Dynamik und einen eleganten, sehr effektiven Strich. Wir haben uns etwa einmal pro Woche getroffen, die neuesten, fertig gezeichneten Seiten durchgeschaut und dann über die nächsten Seiten gesprochen. Das hat sehr viel Spaß gemacht.
hohlbeinfans.de: War Wolfgang Hohlbein selbst in den Arbeitsprozess integriert – eventuelle Absprachen etc.?
Michael Vogt: Wolfgang Hohlbein hat die Arbeiten natürlich von Anfang an begutachtet. Es gab aber nie irgendwelche Einwände von seiner Seite. Der Kontakt zu ihm lief allerdings über den Verlag und seinen Agenten, ich hatte nicht direkt mit ihm zu tun.
hohlbeinfans.de: Wird es einen weiteren „Templer“-Comic geben, der beispielsweise die Vorgeschichte behandelt und somit eine Adaption des zweiten Romans wäre?
Michael Vogt: Eine weitere Adaption ist zur Zeit nicht geplant. Mich würde ja eine Fortsetzung viel mehr reizen: Was wird aus David und Stella? Gibt es irgendwo noch überlebende Clan-Mitglieder? Ist das Geheimnis jetzt wirklich sicher? Ich hätte da schon ein paar Ideen, wie man die Geschichte weiterspinnen könnte.
hohlbeinfans.de: Bekommst du direktes Feedback durch Leser? Wenn ja, wie waren die ersten Meinungen zu „Blut der Templer“?
Michael Vogt: Nein, direktes Feedback habe ich nicht bekommen – ich habe ein paar Rezensionen bei Amazon und auf verschiedenen Websites gelesen. Die Meinungen reichten von “sehr gelungen” bis “eher mittelmäßig”. Ich hätte, glaube ich, eher Angst bekommen, wenn plötzlich alle den Band bejubelt hätten – niemand ist so gut, dass man nicht etwas verbessern könnte, ich erst recht nicht. Und natürlich sind jedem Leser andere Aspekte wichtig, jeder liest nach seinem Gusto. Wenn wir es geschafft haben, dass die meisten Leser zufrieden sind, bin ich schon glücklich.
hohlbeinfans.de: An welchem Projekt arbeitest du zur Zeit?
Michael Vogt: Momentan arbeite ich an einem Kurzcomic für “Perry Rhodan”, der nächstes Jahr erscheinen wird. Mehrere andere Geschichten sind in Planung, unter anderem ein Album, das in Mexiko spielt – immerhin die ersten fünf Seiten sind schon fast fertig.
hohlbeinfans.de: Können Leser dich in naher Zukunft auf Messen/Signierstunden treffen?
Michael Vogt: Ganz aktuell bin ich auf der ComicAction in Essen vom 24. bis zum 26.10. und signiere mein neuestes Album “Schalke – Helden von ganz unten”. Aber natürlich ist auch jeder willkommen, der ein “Blut der Templer”-Exemplar mit Autogramm haben möchte.
hohlbeinfans.de: Michael Vogt, wir danken für dieses Interview!
Michael Vogt: War mir ein Vergnügen!
Dieses Interview führte David Richter für hohlbeinfans.de. Alle Rechte vorbehalten.